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TCM in der Lungenheilkunde

Yin und Yang – Grundbegriffe chinesischen Denkens
Die Theorie von Yin und Yang hat über viele Jahrhunderte das chinesische Denken bis heute beeinflusst und prägte daher nachhaltig auch das System der chinesischen Medizin. Yin und Yang sind die Grundenergien der Existenz, ein Gegensatzpaar, zwei Gegenpole, zwei Extreme, die einander jedoch nicht ausschließen, sondern sich vielmehr gegenseitig bedingen, voneinander wechselseitig abhängen wie Schatten und Licht, kontinuierlich ineinander übergehen wie Tag und Nacht. Das chinesische Schriftzeichen für Yin symbolisiert die Schattenseite eines Hügels. Yin bedeutet also Dunkelheit, Kälte, Feuchtigkeit, aber auch Ruhe und im Extremfall Erstarrung. Die Nacht und der Mond sind Yin. Das Schriftzeichen für Yang zeigt die Sonnenseite eines Hügels. Yang bedeutet also Licht, Wärme, Trockenheit, Unruhe und Bewegung.

Der kontinuierliche Wechsel zwischen Yin und Yang ist aus chinesischer Sicht die Grundlage aller Lebensprozesse, die mit Verwandlung, Umwandlung und Veränderung zu tun haben, also dynamisch sind. Dynamische Lebensprozesse verlaufen nicht zufällig, sondern nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Chinesische Wissenschafter versuchten nach verschiedenen Konzepten, unter anderem mit der Theorie von Yin und Yang, Naturerscheinungen zu systematisieren und zu klassifizieren und Gesetzmäßigkeiten zu beschreiben. Wie alle Naturerscheinungen wurde auch der menschliche Körper, die menschliche Physiologie und nicht zuletzt Pathologie nach den Kriterien von Yin und Yang klassifiziert.

Gesundheit bedeutet aus chinesischer Sicht ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang, welches Grundlage für eine ausgeglichene Funktion unserer Organe und Stoffwechselprozesse sowie für subjektives Wohlbefinden ist. Krankheit bedeutet demnach eine Störung dieses Gleichgewichts, eine Disharmonie von Yin und Yang, die sich zunächst in funktionellen Störungen zeigt, langfristig jedoch zu organischen Erkrankungen führen kann.

Ein Mangel an Yin (das Kühlsystem) äussert sich klinisch durch Hitzegefühl, Trockenheit (z.B. trockener Reizhusten), Nachtschweiss, Unruhe, Schlafstörung, Herzrasen etc., denn Yin befeuchtet, kühlt und beruhigt. Ein Yang-Mangel (die wärmende Energie) führt umgekehrt zu Kältegefühl, Antriebslosigkeit und Ansammlung von Feuchtigkeit.

Ziel einer Behandlung mit Akupunktur oder chinesischer Arzneitherapie ist es, ein harmonisches, dynamisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wieder herzustellen und dafür zu sorgen, dass weder das Yang-Feuer überlodert, noch das kühlende Yin-Wasser zu übermächtig wird und das Feuer erstickt. Dementsprechend wichtig ist es, vor Behandlungsbeginn anhand von Symptomen und Beschwerden, anhand von Zunge und Puls eine genaue Diagnose im Sinn der chinesischen Medizin zu stellen und eine aktuelle Bestandsaufnahme der momentanen Situation der Körperenergien zu machen.

 

Die Lebensenergie Qi

Der Begriff Qi kann am besten mit Lebensenergie übersetzt werden. Das chinesische Schriftzeichen für Qi setzt sich zusammen aus dem Zeichen für Reis und dem Zeichen für Dunst/Dampf. Die Übersetzung „Atem“ oder „Dunst“ deutet auf einen immateriellen Charakter von Qi. Dennoch manifestiert sich Qi auch in der Materie, mit der es in Wechselwirkung tritt, die es belebt.

Qi ist eine sehr feine Substanz (Dunst), die wie beim Verdampfen aus einer groben Substanz entsteht. Qi ist Energie, die sich gleichzeitig auf der physischen und auf der psychischen Ebene manifestiert. Qi ist in einem konstanten Fluss und in veränderlichen Zuständen der Aggregation. Wenn Qi kondensiert, wandelt sich Energie um und häuft sich als physische Form an.

Qi ist dynamisch, Qi ist Bewegung. Die normale physiologische Funktion der Organe hängt von der richtigen Qi-Bewegung ab. In jedem Organ hat das Qi eine charakteristische Flussrichtung. Störungen entstehen, wenn die Bewegung des Qi eingeschränkt ist (Qi-Stagnation) oder wenn das Qi in die falsche Richtung fließt (sog. rebellierendes Qi). Erkrankungen entstehen aber auch durch einen Qi-Mangel oder ein Absinken des Qi.

Im menschlichen Körper gibt es verschiedene Formen von Qi:
Die angeborene Urenergie des Menschen heisst Ursprungs-qi (yuan qi) und wird in den Nieren gespeichert.

Das Ursprungs-qi wird ständig ergänzt durch Energie aus Nahrung und Atemluft (erworbenes Qi). Erworbenes Qi wird zur Lunge transportiert, um dort in körpereigene Energie umgewandelt und von der Lunge im gesamten Körper verteilt zu werden.
Das Nahrungs-qi (gu qi) wird aus der Nahrung gewonnen.
Das Sammel-qi (zong qi) entsteht in der Lunge aus Nahrung und Atemluft. Es nährt Herz und Lunge. Es unterstützt die Lunge in der Funktion, das Qi zu kontrollieren, es fördert die Atemfunktion. Weiters kontrolliert es die Sprache und die Stärke der Stimme, die ebenfalls eine Funktion der Lunge ist.
Das wahre Qi (zheng qi) ist das letzte Stadium der Qi-Umwandlung. Es zirkuliert in den Meridianen und nährt die Organe. Wie das Sammel-qi entspringt auch das wahre Qi der Lunge. Es nimmt zwei Manifestationen an: das Nähr-qi (ying qi) und das Abwehr-qi (wei qi). Das Nähr-qi hat die Aufgabe, die inneren Organe und den ganzen Körper zu nähren. Das Abwehr-qi wird von der Lunge an der Körperoberfläche verteilt und schützt den Körper vor äusseren pathogenen Faktoren wie Wind, Kälte, Hitze und Feuchtigkeit. Weiters reguliert es das Öffnen und Schließen der Poren, also die Schweißsekretion und Regulation der Körpertemperatur.

Ein gestörter Qi-Fluss kann zu übermäßiger Kondensation führen, was bedeutet, dass das Qi pathologisch dicht wird und Knoten und stoffliche Ansammlungen bildet. Ganz allgemein sorgt aus Sicht der chinesischen Medizin die Leber für einen geschmeidigen Qi-Fluss.
Aber auch die Lunge ist wesentlich am Qi-Fluss und damit an der Verteilung der Energien im gesamten Organismus beteiligt.

Die Lunge kontrolliert die Atmung. Klares Qi wird eingeatmet und trübes Qi ausgeatmet. Die Lunge bildet aus Atemluft und Nahrung neue Energie und verteilt diese im gesamten Körper. Die Lunge wacht über das Absteigen des Qi, sie lenkt das trübe, verbrauchte Qi beim Ausatmen abwärts zur Niere, die dieses empfängt und über die Blase ausscheidet. Ist das Absenken des Lungen-qi gestört, so führt dies zu einer Blockade der Ausatmung, wie etwa beim Asthma bronchiale.
Bestimmte Akupunkturpunkte und Arzneikräuter können das Lungen-qi befreien und damit das Absenken des Lungen-qi und das Ausatmen fördern.

Eine Lungen-qi-Blockade kann auch dazu führen, dass sich trübe Flüssigkeiten im Bereich von Nase und Nasennebenhöhlen ansammeln und zu chronischem Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung führen.

Ein zentrales Prinzip der chinesischen Medizin als energetische Medizin ist es, einen regelrechten Energiefluss (Qi-Fluss) im Organismus zu gewährleisten bzw. wiederherzustellen.

 

Der Organbegriff in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Der Organbegriff ist im chinesischen Denken viel weiter gefasst als in der westlichen Medizin. So bezeichnet dieser nicht nur das jeweilige Organ selbst und seine Funktion im engeren Sinn, sondern beschreibt ein sehr weites System von Analogien und Entsprechungen innerhalb des menschlichen Körpers sowie zwischen diesem und seiner Umwelt. Man spricht besser von Organsystemen oder Funktionskreisen.

So bezeichnet der Begriff Lunge zum Beispiel das Organ selbst und seine Funktion, nämlich den Austausch der Atemgase, aber auch im erweiterten Sinn die Funktion der Lunge als Grenze zwischen Körperinnerem und Umwelt. Die Lunge schützt den Körper als Grenzfläche vor schädigenden äusseren Einflüssen, ermöglicht als Kontaktfläche jedoch auch die Kommunikation zwischen Innen und Aussen. Die Lunge mit ihren zahllosen Lungenbläschen bildet gemeinsam mit der Darmschleimhaut sozusagen die innere Oberfläche des Körpers, während die Haut die äussere Oberfläche darstellt. Im Entsprechungssystem der chinesischen Medizin werden daher dem Funktionskreis Lunge die Organe Lunge, Dickdarm und Haut zugerechnet, was man aus den oben genannten Analogien ableiten kann.

In der chinesischen Medizin wird der Wechselwirkung und dem Zusammenspiel der einzelnen Organe sowohl diagnostisch als auch therapeutisch eine größere Bedeutung beigemessen als in der westliche Medizin.

Jedem Organsystem wird in der chinesischen Medizin ein sogenannter Öffner zugeordnet. Das ist im Fall der Lunge die Nase. Der Atemtrakt beginnt also mit der Nase, was man auch in der westlichen Medizin weiss, denn die Schleimhäute von Nase, Nasennebenhöhlen und Bronchien sind sehr ähnlich aufgebaut.
Man kennt einen Zusammenhang zwischen Nase, Lunge, Haut und Dickdarm auch in der westlichen Medizin, wenn man etwa an allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen mit allergischem Asthma bronchiale , allergischen Hauterscheinungen (Neurodermitis) und Nahrungsmittelallergien denkt (Atopischer Formenkreis).

Jedem Organsystem wird ein sogenannter äusserer und innerer pathogener Faktor zugeordnet, auf den dieses besonders empfindlich reagiert. Die Lunge schützt den Körper ganz allgemein vor schädigenden äusseren Einflüssen, indem sie das sogenannte Abwehr-qi an die Körperoberfläche schickt und in einer Schicht zwischen Haut und Muskulatur zirkulieren lässt. Der Lunge kommt aus traditioneller chinesischer Sicht also ganz allgemein eine entscheidende Aufgabe bei der Abwehrfunktion zu.

Der äussere pathogene Faktor, der die Lunge selbst am meisten schädigt, ist die Trockenheit. Die inneren pathogenen Faktoren repräsentieren (blockierte) Emotionen. Im Fall der Lunge ist es der Kummer, die Traurigkeit, die das Organ am meisten belasten.

Anhand der Organuhr wird jedem Organsystem eine sogenannte Maximalzeit zugeordnet, in der dieses besonders aktiv, aber auch besonders störanfällig ist. Im Fall der Lunge liegt die Maximalzeit zwischen 03.00 und 05.00 Uhr früh. Tatsächlich kann man bei Asthmapatienten in diesen frühen Morgenstunden oft ein gehäuftes Auftreten von Symptomen wie Husten oder Atemnot beobachten.
Jedem Organ wird auch eine Jahreszeit zugeordnet, in der es besonders anfällig ist. Dem Funktionskreis der Lunge wird der Herbst zugeordnet. Man weiss, dass es bei chronischen Atemwegs-erkrankungen gerade im Herbst zu einer Verschlechterung der Symptome kommt.

Andere Entsprechungen im System der Funktionskreise sind Geschmacksrichtungen, die vor allem in der chinesischen Arzneitherapie und Diätetik von Bedeutung sind. Der Lunge wird der scharfe Geschmack zugeordnet. Scharfe Speisen und Arzneien fördern das Schwitzen, welches aus chinesischer Sicht ebenfalls eine Funktion der Lunge ist.

Letztendlich wird jedes Organsystem einem sogenannten Element zugeteilt. Der Ursprung des eben beschriebenen Entsprechungssystems ist die chinesische Elementenlehre oder die Lehre von den 5 Wandlungsphasen. Die fünf Elemente (also fünf Organsysteme) beeinflussen einander wechselseitig nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, was diagnostisch und therapeutisch von Bedeutung ist. Die fünf Elemente heissen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die Lunge wird dem Element Metall zugeordnet.

 

Die Funktionen der Lunge aus Sicht der TCM

Die Lunge beherrscht das Qi
Wie bereits weiter oben erwähnt, spielt die Lunge eine zentrale Rolle bei der Entstehung, Zirkulation und Verteilung des Qi. Die Lunge tauscht verbrauchtes gegen frisches Qi aus (Atmung), sie bildet neues Qi aus Nahrung und Atemluft.
Man unterscheidet verschiedene Qi-Störungen. Ein Lungen-qi-Mangel äussert sich durch Kurzatmigkeit, schwache Stimme, Erkältlichkeit und spontanes Schwitzen. Ein Milz-qi-Mangel führt zu einer Störung von Umwandlung und Transport der Nahrungsessenzen und Flüssigkeiten im Körper. Es kommt zu Verdauungsstörungen mit weichem Stuhl, Blähungen, Appetitmangel, Schweregefühl, Antriebslosigkeit sowie zur Schleimbildung. Die Milz steht in der chinesischen Medizin für den Verdauungstrakt, da man sich Milz und Bauchspeicheldrüse als ein Organ dachte. Weiters kennt man den Herz-qi-Mangel, Leber-qi-Mangel und Nieren-qi-Mangel.
Die Qi-Zirkulation kann durch äussere oder innere Krankheitsfaktoren (Klimafaktoren, Emotionen,...) gestört werden.

Die Lunge kontrolliert die Atmung
Das aufrechte Qi (zhong qi) ist die treibende Kraft für die Atmung.
Alle Gefäße und Meridiane treffen sich in der Lunge, um klares gegen unklares Qi auszutauschen.
Die Lunge kontrolliert biologische Rhythmen. Sie regiert auch die Verbindung zur Aussenwelt (Atmung, Dickdarm, Haut).
Die Lunge hat mit Qi-Bewegung zu tun. Sie transportiert klares Qi nach oben und trübes Qi und Flüssigkeiten nach unten zu Niere und Blase. Die Lunge kontrolliert das Sinken und Abwärtsbewegen von Qi, sie macht die Atemwege frei.
Die Funktionen der Lunge (Heben, Verteilen und Senken von Qi) müssen im Gleichgewicht sein.
Kann sich das Lungen-qi nicht nach oben und aussen verteilen, weil es von einem (äusseren) Krankheitsfaktor wie Wind-Kälte blockiert wird, führt dies zu verstopfter Nase und Husten.
Innere Krankheitsfaktoren (z.B. Schleim) beeinträchtigen vorwiegend die absenkende Funktion der Lunge, es kommt zu Husten und Atemnot.

Die Lunge kontrolliert die Wasserwege
Eine Störung des Lungen-qi führt zu einer Flüssigkeitsansammlung (Ödeme) in der oberen Körperhälfte, vor allem im Gesicht und um die Augenlider.

Die Lunge kontrolliert die Haut und Schweißdrüsen
Ein Lungen-qi-Mangel führt zu spontanem oder belastungsabhängigem Schwitzen.

Die Lunge öffnet sich in der Nase
Die Lunge steht in Wechselbeziehung zum Dickdarm

 

Krankheitsmuster und Diagnostik

Wichtig in der Diagnostik der chinesischen Medizin ist die Unterscheidung von Fülle und Leere sowie von Kälte und Hitze.
Die Unterscheidung erfolgt anhand konkreter Symptome sowie anhand von Zungen- und Pulsdiagnose. Ein dicker Zungenbelag etwa deutet auf einen Füllezustand (gelber Belag bei Hitze, weisser Belag bei Kälte), fehlt der Zungenbelag, so ist dies ein Leere-Zeichen. Bei Hitze ist die Zunge rot, bei Kälte ist sie blass. Ein Fülle-Puls ist kräftig, ein Leere-Puls ist schwach, bei Hitze ist er schnell, bei Kälte eher langsam.

Fülle entsteht durch das Vorhandensein eines pathogenen Faktors entweder von aussen (z.B. Wind-Kälte, Wind-Hitze, Feuchtigkeit,...) oder von innen (z.B. Schleim). Schleim ist der wichtigste pathogene Faktor in der Lungenheilkunde und entsteht vorwiegend ernährungsbedingt (Milchprodukte, Fettes, Süßes, Gebratenes) oder durch eine „Milz-qi-Schwäche“, wenn die Flüssigkeiten im Körper nicht richtig umgewandelt und transportiert werden und zu stagnieren beginnen. Schleim zeigt sich an der Zunge durch einen dicken, schmierigen Belag. Man unterscheidet in der chinesischen Medizin heissen Schleim (gelb) und kalten Schleim (weiss) und verwendet entsprechend kalte oder warme schleimlösende Arzneimittel.

Leere ist ein Erschöpfungszustand. Man unterscheidet im Wesentlichen Yin-Mangel, Yang-Mangel, Qi-Mangel und Blut-Mangel. In der Lungenheilkunde von Bedeutung ist der Lungen-Yin-Mangel und der Lungen-qi-Mangel.

Die Unterscheidung zwischen Fülle und Leere ist therapeutisch von zentraler Bedeutung. Bei Fülle-Zuständen behandelt man ableitend (sedierend), bei Leere-Zuständen muss zuführend, also stärkend (tonisierend) behandelt werden. Es gibt tonisierende, also zuführende sowie ableitende Arzneimittel und Akupunkturpunkte. In der Akupunktur unterscheidet man zusätzlich noch zwischen zuführenden und ableitenden Nadelstimulationstechniken.
Sind pathogene Faktoren vorhanden (Wind, Kälte, Feuchtigkeit, Schleim,...), so müssen diese „vertrieben“ bzw. „aufgelöst“ werden.

Bei Hitze verwendet man kühlende oder Hitze-ausleitende Arzneikräuter sowie Hitze ableitende Akupunkturpunkte. Bei Kältesymptomen muss mit erwärmenden oder warmen Arzneimitteln behandelt werden.


Krankheitsbilder in der Lungenheilkunde

Husten (ke sou)
Husten ist bedingt durch eine Umkehr der normalen Qi-Flussrichtung der Lunge (rebellierendes Qi).

Äusserer (exogener) Husten entsteht durch Einwirkung eines äusseren Krankheitsfaktors wie z.B. Wind-Kälte. Die Symptome sind Kälteabneigung, Frösteln, leichtes Fieber, Kopfschmerz, Gliederschmerzen, Schnupfen mit dünnem Sekret und Husten mit weissem Auswurf. Kälte kann sich im Körper in Hitze umwandeln. Dann kommt es zu Schwitzen, hohem Fieber, Durst und Husten mit gelbem Auswurf. Therapeutisch verwendet man bei Wind-Kälte scharfe, warme, schweißtreibende Arzneimittel, um Wind-Kälte zu vertreiben und „die Oberfläche zu befreien“. Bei Wind-Hitze-Symptomen werden entsprechend scharfe und kühlende Arzneimittel eingesetzt. Ein nicht ausgeheilter grippaler Infekt kann dazu führen, dass Hitze und Schleim die Lunge „verstopfen“ , ein chronischer Husten bleibt zurück. Auch äussere Trockenheit kann zu Husten führen. Dieser ist trocken und unproduktiv und geht einher mit Trockenheit von Nase, Hals und Mund.

Innerer (endogener) Husten entsteht aus chinesischer Sicht meist durch Verschleimung (Vedauungsstörung durch Milz-qi-Mangel, meist ernährungsbedingt). Hier findet sich ein Husten mit viel weissem, dickem Schleim sowie Kraftlosigkeit, Müdigkeit und weicher Stuhl. Ein Lungen-yin-Mangel (z.B. durch chronische innere Hitze, die das Yin schädigt) führt zu einem trockenen, unproduktiven Husten, Hitzegefühl und Mundtrockenheit. Ein Lungen- und Nieren-qi-Mangel bedingt einen produktiven Husten mit Verschleimung, Atemnot bei Belastung, Müdigkeit, Schwitzen bei leichter Anstrengung. Auch Emotionen (Ärger) können aus chinesischer Sicht Husten auslösen.

Wichtig ist auch beim Husten die Unterscheidung zwischen Fülle und Leere bzw. Hitze und Kälte, um die richtige Therapiestrategie zu wählen. Fülle-Husten entsteht durch Vorhandensein eines pathogenen Faktors (z.B.Wind-Kälte, Schleim) der vertrieben oder aufgelöst werden muss. Leere-Husten ist bedingt durch Mangel (Yin-Mangel, Qi-Mangel). Die Therapie ist zuführend und stärkend.

 

Atemnot (chuan)
Das Absenken des Lungen-qi (Ausatmung) ist behindert. Das Hauptproblem ist Verschleimung und Schleimstagnation, die die Abwärtsbewegung des Lungen-qi blockieren.
Es gibt zwei Arten von Schleim. Kalter Schleim (tan han) kann dick und klebrig (tan zhuo) oder dünnflüssig, schaumig und klar (tan yin) sein. Heisser Schleim (tan re) ist gelb, dick und klebrig.
Therapeutisch wird Schleim gelöst und Qi bewegt. Lungen-qi absenkende Arzneimittel fördern die Ausatmung und erweitern aus westlicher Sicht die Bronchien.
Auch bei der Atemnot muss man diagnostisch zwischen Fülle (äusserer Krankheitsfaktor, Schleim, Emotionen) und Leere (Lungen- oder Nieren-yin-Mangel, Lungen- oder Nieren-qi-Mangel, Herz-yang-Mangel) unterscheiden. Die Unterscheidung erfolgt anhand von Symptomen, Zungen- und Pulsdiagnose.

Keuchen (xiao)
Keuchen entsteht durch versteckten Schleim in der Lunge und Aufwärtssteigen des Schleims (rebellierendes Qi). Ursachen können äussere pathogene Faktoren (Wind-Kälte, Wind-Hitze), Ernährung, emotionaler Stress oder eine schwache Konstitution sein.
Das Krankheitsbild ist oft eine Kombination aus Fülle (Schleim) und Leere (Yin- oder Qi-Mangel).

Das westliche Krankheitsbild des Asthma bronchiale ist eine Kombination der klinischen Symptome Husten, Keuchen und Atemnot.
Wichtigster pathogener Faktor aus chinesischer Sicht ist hier Schleim, der das Absteigen des Lungen-qi blockiert.Beim allergischen Asthma bronchiale steht zusätzlich ein Lungen- und Nieren-qi-Mangel im Hintergrund.

 

Therapieprinzipien

Die Aufgabe der chinesischen Medizin ist es, energetische Disharmonien im Organismus auszugleichen und einen harmonischen und regelrechten Energiefluss zu gewährleisten.

Je nach zu Grunde liegendem Kranheitsmuster muss natürlich unterschiedlich behandelt werden.
Bei Fülle wird ableitend (sedierend), bei Leere zuführend (tonisierend) behandelt.
Es gibt zum Beispiel Qi- tonisierende und Yin-tonisierende Arzneikräuter. Weiters kennt man Qi-bewegende Arzneikräuter. Das Prinzip der Akupunktur ist ganz allgemein ein lösen von Qi-Blockaden, ein fördern und wiederherstellen eines reibungslosen Qi-Flusses im Körper.
Eine weitere Unterscheidung betrifft Hitze und Kälte. Man kennt kühlende, Hitze ausleitende sowie wärmende und Kälte verteibende
Mittel. Auch bei den schleimlösenden Kräutern unterscheidet man zwischen warmen und kalten.
Bei Trockenheit muss befeuchtet und bei Feuchtigkeit getrocknet werden.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) arbeitet mit sogenannten klassischen Rezepturen, die je nach individuellem Bedarf modifiziert werden können. Klassische Rezepturen sind eine Kombination aus verschiedenen chinesischen Heilkräutern in bestimmter Zusammenstellung und Dosierungsverhältnissen. Chinesische Arzneikräuter haben neben einer Temperaturqualität, einer Geschmacksrichtung und einem Organbezug auch eine bestimmte Bewegungsrichtung (qi-Bewegung), die in der jeweiligen Rezeptur berücksichtigt wird.

Insgesamt sind einige tausend Arzneikräuter bekannt. In der täglichen Praxis kommen (bei uns) etwa 300 verschiedene Kräuter zur Anwendung.

 

Schlussbemerkung

Die Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin ( TCM ) ist mit ihrer bildhaften Sprache und Terminologie für westlich denkende Menschen zunächst vielfach fremdartig und unverständlich. Dennoch bietet die chinesische Medizin ein in sich geschlossenes diagnostisches und
therapeutisches System, mit dem auch westliche Ärzte erfolgreiche und reproduzierbare Behandlungsergebnisse erzielen können.

Grundsätzlich soll jedoch gesagt sein, dass primär organische Ursachen aus westlicher Sicht ausgeschlossen bzw. diagnostziert und adäquat mit westlichen Heilmethoden behandelt werden sollen. Die Traditionelle Chinesische Medizin stellt eine hilfreiche und erfolgversprechende zusätzliche Heilmethode dar.

 

 

 


Dr. Thomas Strauch

Lungenfacharzt
Arzt für Akupunktur
chinesische Diagnostik und Arzneitherapie

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